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50 Jahre neue Pfarrkirche St. Peter und Paul

50 Jahre neue Pfarrkirche St. Peter und Paul
50 Jahre neue Pfarrkirche St. Peter und Paul

Kirchweih 2018 am 16.09.2018

© Wolfgang Kessels
© Wolfgang Kessels

Die Kirchweih bzw. das Kirchweihfest, in Deutschland meist mit regionalen Bezeichnungen wie Kirmes, Kerwe, Kerwa, Kärwa, Kirb, Kerb oder Kilbi bezeichnet,  wird seit dem Mittelalter als Fest anlässlich der jährlichen Wiederkehr des Tages der Kirchweihe eines Kirchengebäudes gefeiert. Der Tag der Kirchweihe hat in der jeweiligen Kirche den Rang eines Hochfests. (aus Wikipedia) 

Seit vielen Jahren wird in Schierstein das Kirchweihfest am 3. Sonntag im September gefeiert. Es geht zurück auf die Kirchweih der alten Schiersteiner Kirche, die in den Söhnleinanlagen am Hafen stand. Die Zivilgemeinde feiert gleichzeitig die Schiersteiner Kerb. 

Kaiser Konstantin gab der Kirche 325 viele Freiheiten. Erste christliche Spuren im Mainzer Brückenkopf gab es mit der Kasteler Georgskirche von 550. In Schierstein war es Eine Schenkungsurkunde  von Ludwig dem Deutschen, der den Zehnten dem Kloster Bleidenstadt vermachte, die zur Pfarreigründung führte.  Im Laufe der Reformation vollzog sich der Übergang zum Lutherischen Bekenntnis. Die Gemeinde Frauenstein war bis 1544 Schierstein zugeordnet. 

Im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert kamen wieder Katholiken nach Schierstein, die zunächst der Gemeinde Niederwalluf zugeordnet wurden. 1891 erfolgte die Neugründung der Pfarrei in Schierstein, ihr 1. Pfarrer war Johannes de Laspee. Erste Gottesdienste wurden in einem Gaststättensaal gefeiert und eine neue Kirche gebaut, die am 4. August 1891 durch Bischof Klein konsekriert wird. 

In den 1960er Jahren wurde das damals zu klein gewordene alte Gotteshaus durch die jetzige neue Kirche mit Gemeindezentrum ersetzt. Am 21. Januar 1968 wurde die Kirche geweiht. Zunächst wurde im  Januar auch Kirchweihfest gefeiert, bis die Gemeindeleitung das Kirchweihfest wieder auf den alten Termin am 3. Sonntag im September verlegte. 

Ab 2013 wurde begonnen, die in die Jahre gekommenen Außenanlagen zu einem Bibelgarten rund um die Kirche umzugestalten unter der Bezeichnung Gott im Busch. Dabei wurden vorhandene Pflanzen an andere Stellen umgesetzt und mit biblischen Pflanzen, Sträuchern und Bäumen zu ergänzt. Nähere Infos dazu unter www.Bibelgarten-schierstein.de 

Seit 2013 ist St. Peter und Paul Pfarrkirche für die neue größere Pfarrei mit 9 Kirchorten in den südlichen bis nördlichen Vororten Wiesbadens am Rande zum Rheingau.  

Infos und alte Fotos aus und nach der Festschrift Kirchweihe 1968 

Wolfgang Kessels 

Aus der Festschrift „Kirchweihe 1968“

Erbe und Auftrag, von Pfarrer A. Bausch 

Kirchen baut man nicht alle Tage. Gemeinde und Bauleute versuchen aus dem begrenzten Gesichtskreis der Gegenwart herauszutreten und in die Gegenwart kommender Generationen, in die Zukunft zu blicken. In diesem Bemühen überschreiten die Beteiligten den Augenblick des noch Alltäglichen und treten ein in die Geschichte. In jedem Fall ist ein solches Bemühen und Tun ein Wagnis. Denn das Werk muss sich dem kritischen Urteil der Zeit, dem der Kinder und Kindeskinder unterwerfen. In diese Probe wird auch die neue Kirche St. Peter und Paul hineinmüssen. Es ist schwer vorherzusagen, wie denn das Urteil der Menschen des 21. Jahrhunderts ausfallen wird. Sicher, meine ich, eines: Wir, das sind alle an Planung und Realisierung Beteiligten bis zum letzten Maurer-Lehrling, haben uns bemüht, aus dem Denken und mit den Mitteln unserer Zeit einen festlichen Raum, ein Gotteshaus zu Seiner Ehre und zur Erbauung vieler Menschen zu schaffen.  

Jedoch, so sehr unser Blick aus gegebenem Anlass in die Zukunft geht, die neue Kirche steht, wenn auch nicht buchstäblich, auf den Grundmauern des alten Kirchleins. Vielen Menschen war es vertraute Stätte des Gebets. Der Abschied von diesem Stück Heimat ist vielen Schiersteinern nicht leicht geworden. Nicht nur aus diesem Grunde müssen wir uns der Vergangenheit verpflichtet wissen. Es ist gut, sie zu befragen. 

Das „Comité für den Neubau einer katholischen Kirche zu Schierstein am Rhein“ schreibt in einem Bettelbrief:  

„Schierstein liegt eine Stunde von Wiesbaden. Von den 2500 Seelen des Ortes sind 1900 evangelisch, 50 Juden und ungefähr 500 Katholiken. Letztere Pfarren (sind zugeordnet) nach dem eine halbe Stunde rheinabwärts gelegenen Niederwalluf. Sie bilden einen Bestandteil der richtigen Diaspora. Von den 184 katholischen Kinder sind 90 schulpflichtig und erhalten dieselben von dem einzigen katholischen Lehrer Religionsunterricht.  Schierstein ist die einzige Gemeinde am Rhein von Biebrich bis Oberlahnstein, in welcher sich kein katholisches Gotteshaus befindet.“ Das Comité – der Brief ist unterschrieben von Pfarrer Nagel, Anton Berges, Weinhändler, Peter Manns, Lehrer, Lorenz Ungeheuer, Postverwalter, und dem Arzt Müller, alle zu Schierstein – schreibt dann schließlich: „Im Namen der hiesigen armen Katholiken entbieten wir im Voraus tiefgefühlten Dank für selbst die kleinste Gabe.“ 

Wie gesagt, diesen Männern und ihren Zeitgenossen wissen wir uns verpflichtet. Mit den bescheidenen Möglichkeiten der damaligen Zeit haben sie mit Zuversicht und Mut ein Werk geschaffen, das fast 75 Jahre der Ehre Gottes und der Erbauung der Menschen gedient hat. 

Nun, aus den 500 Katholiken in Schierstein um die Jahrhundertwende sind unterdessen annähernd 4000 im Jahre 1967 geworden. So wie die Wohngebiete vor allem nach dem letzten Krieg für die Menschen erschlossen werden mussten, so musste die katholische Gemeinde nach einem neuen Zuschnitt für ihr Gotteshaus suchen. Unter der Leitung von Pfarrer Schäfer, der im Herbst 1967 die Gemeinde dem neuen Pfarrer übergeben hat, wurde die Planung nicht nur für die neue Kirche, sondern auch für Gemeinde- und Pfarrhaus 1961 begonnen und das Projekt an Architekt Johannes Traut aus Eibingen übergeben. Unter kräftiger Hilfe der Diözese Limburg konnte der erste Bauabschnitt mit der Einweihung des Gemeindehauses „Christo Regi“ (Christus dem König) geweiht im Jahre 1965 abgeschlossen werden. 

Wenn auch ein Großteil der Baulast durch die größere Gemeinschaft der Christen der Diözese getragen wird, so werden die Schiersteiner Katholiken mit einem spürbaren Opfer sich der „Gründergeneration“ von 1890 anschließen. Nur im kraftvollen, ja manchmal mit Entbehrung verbundenen Engagement der Gegenwart erschließt sich die Geschichte und ihr Reichtum, Ergebnis der Mühe vieler Geschlechter, die über Gottes Erde gehen durften. 

Indem wir Gott danken für seine schützende Hand in den vergangenen Jahren, bitten wir demütig um seinen Segen für uns alle und alle kommenden Generationen, die IHN im lichtgeschmückten Raume der neuen Kirche St. Peter und Paul loben werden. 

Pfarrer A. Bausch 

Fotos des Kirchweihfests 2018

Kirchweihfest St. Peter und Paul 2018 © Wolfgang Kessels
Kirchweihfest St. Peter und Paul 2018 © Wolfgang Kessels
Kirchweihfest St. Peter und Paul 2018 © Wolfgang Kessels
Kirchweihfest St. Peter und Paul 2018 © Wolfgang Kessels
Kirchweihfest St. Peter und Paul 2018 © Wolfgang Kessels