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Sich der jüdischen Wurzeln bewusst werden

Sich der jüdischen Wurzeln bewusst werden
Sich der jüdischen Wurzeln bewusst werden
© Wolfgang Rollig

Gut besuchte Tischmesser der Kirchortgemeinde St. Klara am Gründonnerstag 2018

© Wolfgang Rollig
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Die Kirchortgemeinde St. Klara feiert schon seit fast 50 Jahren an Gründonnerstag eine Tischmesse. An langen, festlich gedeckten Tafeln sitzen die Gläubigen mit dem Altar in der Mitte.

In den letzten Jahren stand die Messfeier immer unter einem aktuellen Thema: im letzten Jahr war es „Das Brot teilen“, wobei Vertreter der Wiesbadener Tafel von ihrer Arbeit bei der Versorgung Bedürftiger mit Lebensmitteln berichteten.

Die jüdischen Wurzeln der christlichen Abendmahlfeier waren das diesjährige Thema der Gründonnerstag-Tischmesse. Jesus feierte mit seinen Jüngern als gläubige Juden das Pessach-Fest, das alle Juden bis heute im Familienkreis feiern. Dabei saßen die Juden auf Polstern als Zeichen, dass sie freie Menschen waren – im Kontrast zu der Sklaverei in Ägypten. Das Fest folgte strengen Regeln – so wurde pro Familie ein Lamm geschlachtet und gegessen, es gab Bitterkräuter, braunes Fruchtmus als Erinnerung an die braunen Ziegel der Häuser in Ägypten, frische grüne Kräuter, dazu drei Stück Matzen und Wein, von dem vier Becher getrunken werden mussten. Ein besonderer Becher wurde an einem leeren Platz der Festtafel bereitgestellt und die Tür geöffnet, damit der Prophet Elias dort Platz nehmen könnte. Dieser kam jedoch nie.

Jesus hat so mit seinen Jüngern zur Erinnerung an den Auszug der Israeliten aus Ägypten gefeiert, hat aber dem Mahl einen anderen Sinn gegeben – die christliche Abendmahl-Feier entstand.

Die Gestaltung des Pessach-Festes hat sich im Verlauf der Jahrhunderte geändert. Nach der Zerstörung des Tempels im Jahr 70 n.Chr. wurde der Verzehr des Pessach-Lammes aufgegeben. An dieses Lamm erinnert heute noch ein gerösteter Knochen, der auf dem Seder-Teller (Seder: so heißt das jüdische Fest heute) seinen Platz hat.

Die Gemeinde hatte Peter Eberhardt zu diesem Gottesdienst eingeladen, der statt der Predigt zu den Gläubigen sprach. Herr Eberhardt ist mit den jüdischen Gebräuchen bestens vertraut und verstand es, durch Beispiele und mitgebrachte Gegenstände die Gottesdienstbesucher mit seinen Ausführungen zu faszinieren.

Pfarrer Heimburger hatte den Gottesdienst wieder liebevoll vorbereitet und gestaltete die Messfeier zu einem bleibenden Erlebnis für die ca. 80 Mitfeiernden. Die Flötengruppe von Frau Küter umrahmten zusammen mit dem Organisten Oliver Weckbacher die Feier musikalisch.

Im Anschluss an den Gottesdienst brachte der Festausschuss von St. Klara blitzschnell Brot, Wein, Käse und Trauben für die Agape- Feier auf die Tische. Bei guten Gesprächen saßen die St. Klara´s Leut und auch einige Gäste aus anderen Kirchorten der Pfarrei noch bis 23:00 Uhr zusammen, bis dann wieder das große Auf- und Umräumen in der Kirche begann, denn schließlich war am folgenden Tag die Karfreitagsliturgie mit „normaler“ Kirchenbestuhlung angesagt. Da viele Hände anpackten, war alles um 23:30 Uhr erledigt.

Wolfgang Rollig