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Weine von hüwwe und drüwwe

Weine von hüwwe und drüwwe
Weine von hüwwe und drüwwe
© Wolfgang Rollig

Gut besuchte Weinprobe am 23.11.2018 in St. Klara

Weine von links und rechts der Grenze (zwischen Elsass und Südpfalz) versprach die Ankündigung zu der St. Klara-Weinprobe 2018 und 70 Personen kamen, so dass das Foyer des Gemeindezentrums zu klein war und die Probe in den dann stimmungsvoll dekorierten Kirchenraum verlegt werden musste.

Nach einem Gläschen „Zoll-Secco“ zur Begrüßung wurde durch Verzehr einer „Pfälzer Platte“ mit Saumagen, Bratwurst, Leberknödel, Kartoffelbrei und Sauerkraut erst einmal eine kräftige Grundlage für das Kommende geschaffen. Dabei machten viele Besucher das erste Mal Bekanntschaft mit dem Pfälzer Nationalgericht „Saumagen“, der allen hervorragend schmeckte, es blieb kein einziges Stück übrig.

Danach stellte Dr. Rollig acht Weine des Schweigener Weinguts „Alter Zollberg“ vor. Der Winzer arbeitet seit 2008 bio-dynamisch, d.h. ohne Verwendung von Pestiziden, schonender Bearbeitung der Weinberge und ausschließlich Handlese. Die vorgestellten Weine sind, da der Winzer 4 ha. Rebfläche auf französischem Territorium und nur zwei ha. auf deutschem Gebiet bearbeitet – die Grenze verläuft quer durch die Weinberge – links und rechts der Grenze gewachsen.

Diese Grenze wurde 1825 im Nachgang zum 2. Pariser Frieden zwischen Frankreich und der damals bayerischen Pfalz willkürlich gezogen, die betroffenen französischen und Pfälzer Winzer bekamen durch einen Staatsvertrag von 1825 das Recht, das Lesegut aus dem „ausländischen Teil“ ihrer Weinberge zollfrei zu sich ins eigene Weingut einführen zu können. Allerdings mussten sie die Weine zu Hause keltern und ausbauen und durften dann die z.B. auf französischem Gebiet geernteten Trauben nur als deutschen Wein vermarkten. Diese Regelung gilt, mit Unterbrechungen, bis heute.

Wie es genau zu dieser etwas sonderbaren Regelung kam und wie die Nachbarn, die Südpfälzer aus Schweigen, und die Nordelsässer aus Wissembourg in den letzten 200 Jahren miteinander auskamen, war Gegenstand kleiner Erzählungen zwischen den ersten vier Weinen. Wie es heute zwischen diesen Nachbarn , zwischen hüwwe und drüwwe, bestellt ist, schilderte danach Christa Rollig. Um den Besuchern auch einen optischen Eindruck vom Weingut, dem Ort Schweigen und der Stadt Wissembourg zu verschaffen, lud Dr. Rollig sie zu einem Bilderausflug ein; die Bilder hatte er im Sommer bei der Vorbereitungsreise aufgenommen.

Vor dem letzten Wein, dem süßen „Drüberstreuer“ gab es noch für Jeden ein Stück selbstgebackenen Kuchen, der als Dessert zu dem süßen Wein, einer preisgekrönten Gewürztraminer Spätlese, hervorragend mundete.

Wolfgang Rollig