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Heiliger Leonhard – aus Ketten befreien

Heiliger Leonhard – aus Ketten befreien
Heiliger Leonhard – aus Ketten befreien
© St. Peter und Paul Wiesbaden

Diakon Uwe Groß spricht in der Woche vom 1. bis 6. November  ab ca. 6:30 Uhr in der Reihe „Zuspruch“ auf hr2. Hören Sie es sich live im Radio oder auf der Webseite des hr an oder lesen Sie den tagesaktuellen Text hier:

Heiliger Leonhard – aus Ketten befreien

Ich war wohl sieben oder acht Jahre alt, als ich mit großen Augen meinen Opa auf dem Pferd bei der Reiterprozession an Erntedank bestaunt habe. Die Reiterprozession gibt es noch heute in dem kleinen Ort Salz im Westerwald und sie wird zu Ehren des heutigen Tagesheiligen, des Heiligen Leonhard veranstaltet. Leonhard gilt nämlich als der Pferdeheilige und die Pferde werden bei der Reiterprozession ganz am Schluss an der Leonhardskapelle gesegnet. Damals war es für mich einfach faszinierend, so viele Pferde und Reiter zu sehen. Und als ich neulich im Heiligenkalender gelesen habe, dass der 6. November Leonhardstag ist, habe ich mich an dieses Ereignis in meiner Kindheit erinnert.

Der heilige Leonhard lebte im sechsten Jahrhundert in Frankreich und er wird in den Kirchen fast immer mit einer Kette dargestellt. Damit wollte man ursprünglich daran erinnern, dass sich Leonhard in seinem ganzen Leben für Gefangene eingesetzt hat. Er hat sie besucht und für sie um Befreiung gebeten, und das ist ihm wohl auch oft gelungen. Erst später wurden die Ketten mit Viehketten in Verbindung gebracht und so wurde er dann der Pferdeheilige.

Befreiung von Ketten. Ich denke dabei an eine Gefangene, die ich über viele Jahre im Gefängnis besucht habe. Eine Frau, die heute frei lebt. Wir haben immer noch Kontakt. Mir ist immer der Gedanke wichtig gewesen: Ein Mensch, der eine Schuld abgebüßt hat, soll eine zweite Chance bekommt und sich willkommen fühlen, wenn er aus dem Gefängnis entlassen wird.
Ketten können aber auch bedeuten, dass ein alter oder sehr kranker Mensch sinnbildlich an sein Bett gefesselt ist. Ich denke zum Beispiel an eine Frau aus meiner Gemeinde. Ich habe sie drei Jahre lang jeden Monat besucht und für sie den Rosenkranz gebetet. Ich wusste, dass ihr das viel bedeutet. Sie war bettlägerig, und selbst das Sprechen fiel ihr schwer. So bewegte sich beim Beten nur stumm ihre Lippen.

Wie eine Befreiung aus Ketten kann es sich auch anfühlen, wenn ein Mensch aus seiner Alkoholsucht herauskommt. Ich habe das bei einem Bekannten von mir erlebt. Durch den Halt seiner Familie konnte er die Ketten der Sucht loswerden.

Um die Ketten von Einsamkeit, Krankheit oder Selbstzerstörung zu durchbrechen, braucht es wohl fast immer gute Freunde, eine liebevolle Familie, zugewandte Menschen. Daran erinnert mich der Heilige Leonhard heute.

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