Kategorien &
Plattformen

Neu in der Pfarrei: Diakon Matthias Böhm

Interview
Neu in der Pfarrei: Diakon Matthias Böhm
Neu in der Pfarrei: Diakon Matthias Böhm
© Philippe Jaeck

Matthias Böhm

Matthias Böhm, geboren 1991, ist Diakon in unserer Pfarrei. Er kommt aus Frankfurt und hat Theologie in Frankfurt und in Wien studiert. Als Priesteramtskandidat des Bistums Limburg wohnte er im Priesterseminar Sankt Georgen in Frankfurt und kam nach abgeschlossenem Studium im September 2019 als Pastoralpraktikant nach St. Peter und Paul. Am Pfingstsonntag 2020 wurde er im Limburger Dom von Bischof Dr. Georg Bätzing zusammen mit vier anderen Priesterkandidaten zum Diakon geweiht. Er lebt und arbeitet in St. Peter und Paul bis er in knapp einem Jahr, voraussichtlich am 22. Mai 2021, zum Priester geweiht wird.

Die Grundmotivation ist zusammengefasst: Gott ist da. Er gibt dem Leben und der Welt seinen letzten Sinn. Er hat Dich gewollt. Er liebt Dich und wartet auf eine Antwort. Die Beziehung zu ihm ist die wichtigste des Lebens. Er lädt ein zur Freundschaft mit ihm und will Dein Heil. Und ohne ihn lebt es sich schlechter, das gilt für den Einzelnen wie für die Gesellschaft. Wir brauchen Gott, wir brauchen Jesus Christus.
Das ist meine Erfahrung, davon bin ich überzeugt und möchte das auch anderen Menschen eröffnen.

Weil ich nicht ein Einzelereignis rausgreifen kann, aufgrund dessen ich Priester werde, kann ich dazu recht viel sagen. Ich fange mal so an: Als Kind hatte ich mit der Kirche nicht so viel zu tun. Ich war getauft, war zur Erstkommunion gegangen, war natürlich in der Schule immer im Religionsunterricht, aber nur ganz selten mal in einem Gottesdienst, weil das in der Familie nicht üblich war. Das heißt aber nicht, dass mich die Religion nicht interessiert hätte, ich hatte nur eher wenig damit zu tun. Ich fand aber die katholischen Äußerlichkeiten, wie schöne Kirchenräume, Weihrauch, Gewänder usw. irgendwie schön und habe gerne im Fernsehen Pater Brown, Pfarrer Braun, Don Camillo und so was gesehen. Johannes Paul II., den ich nur alt und krank kannte, fand ich auch irgendwie eindrucksvoll. Ich bin, wenn ich mit meinen Eltern oder Großeltern irgendwo unterwegs war, immer gerne in Kirchen gegangen und habe mich darin geborgen gefühlt und gemerkt, hier findet was Wichtiges statt. Irgendwann, so im Alter von 13 - 15 Jahren hatte ich den Gedanken: so ein Pfarrer zu werden, das könnte ich mir vorstellen. Es kam mir selbst aber unrealistisch vor.

Als 2005 Benedikt XVI. gewählt wurde, hat mein Interesse sozusagen noch ein wenig Nahrung bekommen, plötzlich war das Thema Glaube, Kirche und eben auch Priester in den Medien präsent. Das hat denke ich schon was ausgemacht, dadurch ist das Interesse geblieben. Ich habe mir sogar damals die Interviewbücher mit Kardinal Ratzinger gewünscht. Ich wollte mehr über die Kirche und den Glauben erfahren und ein bisschen war es auch, dass ich wissen wollte, was der Papst, der auch teils so heftig abgelehnt wurde, eigentlich so sagt. Ich wollte das einfach verstehen. Mit 14, 15 Jahren waren diese Bücher für mich noch ein wenig schwer und dann auch eine Zeit lang nichtmehr so interessant, aber drei, vier Jahre später habe ich sie wieder verstärkt aus dem Regal geholt. Das ist quasi der erste Teil. Dass ich Priester werde, war deswegen noch lange nicht absehbar. Der zweite Teil: 2008 stand meine Firmung an und erst da hatte ich wieder wirklich mit der Kirche zu tun. Nachdem ich ganz kurz noch gezögert hatte, am Kurs teilzunehmen, habe ich mich dann aber mit innerer Überzeugung firmen lassen. Bei der Firmung entscheidet sich ja ein Mensch bewusst zu einem christlichen Leben und bekommt dafür die Gabe des Heiligen Geistes und diese Entscheidung habe ich dann auch wirklich durch mein Leben einholen wollen, so leben wollen. Ich habe zwar schon vorher, aber ab der Zeit dann wirklich regelmäßig gebetet und bin irgendwann ein paar Monate nach der Firmung sonntags in die Kirche gegangen. Es hatte mich ein wenig Überwindung gekostet, aber weil es mich angesprochen hat, meine Heimatkirche sehr schön ist, der Priester, der gerade da war, schön gefeiert hat, die musikalische Qualität immer sehr gut ist, bin ich zwei, drei Wochen später wieder hin und so schließlich regelmäßig sonntags und bald auch unter der Woche. Zu dieser Zeit, ab der Oberstufe, hat auch der Religionsunterricht in der Schule eine wichtigere Rolle gespielt. Das war für mich mehr als der Firmunterricht der Ort, an dem der Glaube erklärt wurde, wo ich zum Nachdenken angestoßen wurde.

Als Schüler in der Oberstufe, rund ums Abitur und noch danach hat mich die Grundfrage, warum und wie man überhaupt vernünftig verantwortet an Gott glauben kann, sehr beschäftigt. Ich war einerseits skeptisch und habe doch geglaubt und um den Glauben gerungen. Seitdem ich ein Buch über Philosophiegeschichte gelesen hatte, ging es immer weiter mit den Fragen. Mich haben die grundlegenden Fragen beschäftigt: Warum und wozu lebe ich? Was lohnt sich im Leben zu tun, sich einzusetzen? Was ist wirklich wichtig? Das war eine längere Suchphase, in dem Alter vielleicht nicht ungewöhnlich, die für meinen Weg letztlich sehr wichtig war.

Bei mir ging es glaube ich relativ wenig über andere Menschen, aber vielleicht doch mehr, als mir bewusst ist. Für mich waren damals insbesondere Menschen überzeugend, die gläubig sind und zugleich philosophisch und theologisch gebildet und auch die Einwände kennen. Das war für mich ein überzeugender Grund, weiter dran zu bleiben, weiter verstehen zu wollen, allgemein der Kirche und der christlichen Tradition zuzutrauen, doch die besten Antworten auf die Grundfragen des Lebens zu haben - nach dem Motto: wenn die mit all ihrem Wissen trotzdem glauben können, kann das doch nicht irrational sein. Solche Zeugen waren für mich Papst Benedikt XVI., mein Religionslehrer, ferner Firmkatecheten und die verschiedenen Priester bei uns – diese Personen waren natürlich alle auf ihre Weise sehr unterschiedlich, muss man noch dazu sagen.

Eine entscheidende Erfahrung war im Gebet: ich habe nach Gott, nach Jesus gesucht und erfahren: wer anklopft, dem wird wirklich geöffnet. Er ist da. So ging es denke ich vom theoretischen Nachdenken über Gott mehr hin in die Beziehung zu Gott. Wann das genau war, weiß ich nichtmehr, ich glaube, das war nach dem Abi schon. Dennoch war es noch nicht mein erklärtes Ziel, Priester zu werden. Der Wunsch oder Gedanke an einen geistlichen Beruf war aber nun innerlich da. Zuerst habe ich nach dem Abitur an der Goethe-Uni Frankfurt zwei Semester was anderes studiert, Geschichte und Philosophie, habe auch kurz Jura angeschaut. Ich habe aber privat weiter Bücher gelesen, die in Richtung Theologie gehen, beispielsweise Ratzingers „Einführung in das Christentum“ und mich schlau gemacht, was so ein Theologiestudium eigentlich beinhaltet. Dabei habe ich gemerkt, dass hier die Fragen zur Sprache kommen, die mich interessieren, wie vielseitig das Fach eigentlich ist, was ich zuvor nicht so gedacht hätte und am Ende musste ich Theologie studieren. Mit der Frage, eventuell Priester zu werden, war das für mich eigentlich von Beginn an verbunden, auch wenn das zunächst nicht mein Ziel war und ich mir selbst immer gesagt habe, dass das ja nicht notwendig zusammenhängt. Ich habe auch immer gedacht: Dazu hätte ich viel aktiver in der Kirche sein müssen, was ich ja nicht war, und jetzt schaust du erst einmal, wie sich alles entwickelt. Erst als Student bin ich der Pfarrei Lektor geworden und war mal Firmkatechet. Ministrant sogar erst, als ich schon im Seminar war.

Erst später. Ich bin dann auch erst als Student mit anderen mal in Austausch darüber gekommen. Ab 2011 habe ich mit Theologie im Lehramtsstudiengang begonnen, bin also an der Goethe-Uni geblieben. Damit war ich allerdings die meiste Zeit eher unzufrieden. Meine Erwartungen ans Studium wurden dort nicht erfüllt, es war mir zu wenig Theologie und zu viel Pädagogik und Didaktik, mir hat auch so etwas wie eine geistliche Ausbildung neben dem Studium gefehlt. Auf Empfehlung habe ich begonnen, das „TeDeum. Das Stundengebet im Alltag“ zu beten. Ich habe schon gemerkt, das Priesterseminar ruft eigentlich, aber es war andererseits bei mir innerlich lange alles noch nicht so ausgegoren, was ich will. Ich habe aber schließlich gemerkt, ich komme nicht mit der Frage weiter, wenn ich es nicht ausprobiere und will sowieso nicht erst noch das Lehramtsstudium beenden. 2014 bin ich also nach Sankt Georgen in Frankfurt ins Priesterseminar gegangen und damit auch ins theologische Vollstudium an der Hochschule Sankt Georgen. Ich war mir innerlich recht sicher gewesen, dass ich da nicht falsch sein werde, bevor hin bin und habe schnell gemerkt, dass das die richtige Entscheidung war. Bis ich ganz darauf vertraut habe, dass das Priestertum die Berufung ist, die Gott für mich hat, und nicht nur meine eigene Idee, hat es aber noch ein bisschen gedauert. Doch das zu erspüren, dazu ist im Priesterseminar auch die Zeit. Im Rückblick ist mir klar geworden, dass es da schon vorher Zeichen gegeben hat, die ich nur wahrnehmen und annehmen muss wie zum Beispiel, dass mich Leute unerwartet gefragt haben, ob ich Priester werden will. Das war in Situationen, die durchaus bezeichnend waren, z.B. schon in meiner Schulzeit nach dem Reli-Unterricht, dann in einem Schulpraktikum während des Lehramtsstudiums und nach einer Messe. Ich habe dann immer gesagt: Nein, wieso? Aber innerlich gemerkt: Ja, eigentlich würde ich es schon gerne. Zum Beispiel habe ich mich auch angesprochen gefühlt, wenn vor der Sonntagsmesse um geistliche Berufungen gebetet wurde.

So ist das langsam über Jahre gewachsen.

Nein. Für mich persönlich nicht. Aus dem, was ich eben gesagt habe, hört man denke ich heraus, dass für mich andere Fragen maßgebend waren, als die, an denen sich allseits bekannte Kritikpunkte an der Kirche festmachen. Das sind nicht die Gründe, aus denen ich in der Kirche bin oder nicht bin oder Priester werde oder nicht werde. Ich bin auch schon gläubigen und in der Kirche engagierten Menschen begegnet, die überhaupt nicht verstehen konnten, wie man Priester werden kann, weil sie selbst sich schon jahrzehntelang so sehr diese oder jene Änderungen in der Kirche wünschen und enttäuscht, frustriert, resigniert sind …

Zum Glück, ich habe mich persönlich mit der Kirche fast nie schwer getan. Da ich mich schon immer für Geschichte interessiert habe und die eigene Tradition verstehen wollte und solchen Dingen gegenüber eher positiv eingestellt bin, war für mich auch das, was manche mit Begriffen wie „altmodisch“ oder „konservativ“ oder so bezeichnen, fast mehr interessant, als hinderlich. Es gibt aber faktisch viele Menschen, die ihr Problem mit der Kirche haben, ja. Manchmal denke ich auch, vielleicht kommt mir sogar zugute, dass ich früher gar nicht so viel mit der Kirche zu tun hatte und daher recht unbefangen und unvoreingenommen war, wer weiß, aber das ist nur ein „was wäre, wenn“. Ich denke, es gibt viele unterschiedliche Gründe, aus denen Menschen allen Alters, ob in der Kirche aktive oder Menschen, die kaum mit der Kirche zu tun haben, sich mit der Kirche tatsächlich schwer tun oder taten oder meinen, sich mit ihr schwer zu tun. Von sehr gut begründet, unter anderem wegen schlechter Erfahrungen, bis kaum begründet und vorurteilsbelastet - das Spektrum ist groß. Wenn wir das diskutieren wollten, woran das liegt und wie wir damit umgehen sollten, würde das hier wahrhaft den Rahmen sprengen, glaube ich.

Als vor anderthalb Jahren die MHG-Studie vorgestellt wurde, habe ich mich zum ersten Mal für die Kirche geschämt. Da habe ich mich dann schon sozusagen mit ihr schwer getan, obwohl es vorher zu befürchten war, nach dem, was in anderen Ländern schon ans Licht gekommen ist. Aber meinen Weg hat das nichtmehr infrage gestellt. Die für mich wichtige Phase liegt ja schon um die 10 Jahre – minus und plus – zurück. Die Kirche ist für mich in erster Linie der von Jesus Christus gestiftete Ort der Begegnung mit Gott und dadurch mittelbar auch der Menschen untereinander. Ohne die Kirche geht das nicht wirklich. Er will, wie es das II. Vaticanum sagt, die Menschen durch die Kirche mit sich und untereinander vereinen. Das ist objektiv ihr Zweck, diese Begegnung mit Jesus Christus zu vermitteln, sein Wirken fortzusetzen. Es geht ihm um eine echte persönliche Beziehung zu jedem Menschen und man darf sich bewusst machen: In den Sakramenten der Kirche, allen voran in der Eucharistie, will er mir immer wieder begegnen und durch sie Anteil an meinem Leben haben. Ich begegne in der Liturgie der Kirche ihm selbst. Ich bin davon überzeugt, dass die Kirche die beste, die wichtigste und die schönste Botschaft zu verkünden hat, die es für den einzelnen Menschen und die Welt gibt. Was auch immer in der Kirche verbesserungsbedürftig sein mag – der Kern der Kirche bleibt und der ist es wert. Die Kirche ist kein Selbstzweck, sondern Gottes Werkzeug und als solches muss sie auch erscheinen. Wenn die Kirche irgendeinen Glanz haben kann, dann ist es, wenn er echt ist, nie ihr eigener, sondern der Glanz Gottes, der durchscheint. Und ich wünsche mir sehr, dass der durchscheint. Menschen in Beziehung zu Gott zu bringen, sie bei ihrem Suchen und auf ihrem Lebensweg zu begleiten, ihnen Orientierung anzubieten, indem wir die frohe Botschaft verkünden, das ist die primäre Aufgabe, die wir haben.

Man meldet sich beim Regens seines Heimatbistums, oder des Bistums, in dem man wohnt, spricht vor und bewirbt sich, indem man einen Lebenslauf, ein Motivationsschreiben und andere Unterlagen sendet. Ein Regens ist der Verantwortliche für die Priesterausbildung in einem Bistum, der über die Aufnahme als Priesterkandidat entscheidet. Der Ablauf der Ausbildung variiert weltweit und innerhalb der deutschen Bistümer auch leicht, aber im Großen und Ganzen läuft es in Deutschland so wie bei mir auch:

Man wird dann zum Theologiestudium geschickt, das ist im Fall unseres Bistums Limburg an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt – Oberrad. Dort studieren alle möglichen Leute Theologie oder Philosophie oder beides, Leute die einen Beruf in der Kirche anstreben oder auch nicht. Sofern man Priesterkandidat ist, muss man aber auch im dortigen Priesterseminar wohnen. Die Priesterausbildung hat in dieser Phase zwei Säulen: das Studium an der Hochschule und die geistliche Ausbildung im Priesterseminar. Man muss wissen, mit dem Einzug ins Priesterseminar muss ein Kandidat noch nicht notwendig definitiv sicher sein, ca. sieben Jahre später Priester zu werden und umgekehrt ist vom Bistum aus für ihn die Weihe mit dem Eintritt ins Seminar noch nicht garantiert. Das Priesterseminar soll der hilfreiche Rahmen sein, in dem die Kandidaten eine geistliche Begleitung und Ausbildung erhalten, in Exerzitien ihre inneren Regungen wahrnehmen und unterscheiden lernen und so ihre Berufung erkennen, reflektieren und in ihr wachsen können. Nur, damit ich nicht zu lange auf diese Frage antworte, sage ich einfach mal: man kann sich über Weiteres zum Priesterseminar ganz leicht im Internet über die Homepage erkundigen. Vorgesehen ist, dass man, meist in der Mitte des Studiums, das in der Regel zehn Semester dauert, für zwei Semester das Seminar verlässt und an einem anderen Ort studiert, um aus dem geschützten Raum des Seminars rauszukommen und die Berufung nochmal in einem anderen Umfeld anzuschauen. Wohin man will, kann man in Absprache mit dem Regens recht frei wählen. Ich war zwei Semester in Wien, man darf aber auch gerne weiter weg. Zu nah, sodass man auch zu Hause bleiben könnte, darf es natürlich nicht sein. Man hat während der Studienzeit in den Semesterferien auch Praktika, nämlich ein Pfarrpraktikum, ein Wahlpraktikum, ein Schulpraktikum. Ja…

Die Ausbildungsordnung ist in einigen Bistümern Deutschlands derzeit in Diskussion, um sie zu verbessern, aber wer jetzt anfängt, für den läuft es so oder ähnlich in diesem Rahmen ab. Es wird aber auch auf den Einzelfall geschaut, das ist kein völlig starres Schema.

Nach dem Studienabschluss kommt man in den Pastoralkurs. Das heißt, man arbeitet und lebt in einer Pfarrei mit einem Pfarrer als Mentor und hat begleitende Ausbildungsveranstaltungen wie beispielsweise Taufpastoral, Trauerpastoral, Predigen, Jugendarbeit, Religionspädagogik, liturgisches Singen und vieles mehr. Bei uns im Bistum Limburg ist es aktuell so, dass man nach dem Studienende ca. sechs Monate Praktikant in einer Pfarrei ist, dann zum Diakon geweiht wird und als Diakon in derselben Pfarrei wirkt, bis man ein Jahr darauf nach der Priesterweihe als Kaplan in eine andere Pfarrei kommt.

Ich werde bis irgendwann im Sommer 2021 hier sein. Den genauen Tag kenne ich noch nicht. Am Tag vor Pfingsten, den 22. Mai 2021 ist, wenn nicht noch einmal Corona oder Ähnliches dazwischenkommt, meine Priesterweihe. Ich nehme an, dass ich danach im Juni noch hier bin, aber dann bald meine neue Stelle antreten werde. Der Stellenwechsel erfolgt in der Regel so, dass man rechtzeitig zu Beginn des neuen Schuljahres an der neuen Stelle ist, weil man ja auch Religionsunterricht gibt. Wohin ich kommen werde, weiß ich jetzt natürlich noch nicht. Irgendwo im schönen Bistum Limburg, das ist sicher.

Zum Diakon wird man durch das Sakrament der Weihe, das man von einem Bischof empfängt, durch Handauflegung und Gebet des Bischofs. Die Kirche kennt drei Weihestufen: Diakon, Priester und Bischof. Der Bischof hat die Fülle des Weihesakramentes empfangen und ist ein Nachfolger der Apostel. Die Diakone und Priester haben durch ihre Weihe auf eigene Weise Anteil am Amt des Bischofs. Sie sind die Mitarbeiter des Bischofs. Während der Bischof und der Priester Jesus Christus als Haupt und Gegenüber der Kirche repräsentieren, stellt der Diakon Jesus Christus als den Dienenden dar. Damit stellt er eine Dimension dar, die ebenso dem Amt des Bischofs und des Priesters zu eigen ist. Nur tut es eben in einem eigenen Amt. „Diakon“ kommt von griechisch „diakonos“, und heißt auf Deutsch „Diener“. Jeder Priester und Bischof bleibt immer auch Diakon, ein Diener nach dem Vorbild Jesu. Das Priesteramt der Kirche wird vom II. Vaticanum das „besondere Priestertum des Dienstes“ genannt, im Unterschied zum gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen. Es heißt so, weil es dem allen Gläubigen gemeinsamen Priestertum dienend zugeordnet ist. Das Diakonat als eigenes Amt stellt nochmal in besonderer Weise Christus als den Diener der Armen, der Heimatlosen, der Notleidenden dar, weshalb die Caritas ein wichtiges Feld für den Diakon ist. Deswegen ist es denke ich auch gut, dass es das Amt des Diakons nicht nur, wie bei mir, als ein Durchgangsstadium auf dem Weg zur Priesterweihe gibt, sondern es auch ständige Diakone gibt, was übrigens auch verheiratete Männer werden können. Das sind sozusagen die zwei Arten von Diakonen.

Was für die meisten konkret sichtbar ist, sind die Tätigkeiten des Diakons in der Liturgie: Ein Diakon kann taufen, trauen und beerdigen. In der Messe verkündet er das Evangelium, er kann predigen und bereitet zur Eucharistie den Altar.

Ich freue mich besonders, wenn Menschen über ihr Leben und den Glauben nachdenken und ins Gespräch kommen. Wenn man merkt, sie wollen mehr wissen, verstehen, glauben, beten. Aktuell erlebe ich das bei den Alpha-Kursen, wenn ich höre, wie jeder so seine eigene, persönliche Lebens- und Glaubensgeschichte und seinen eigenen Zugang und seine Gedanken hat. Man bewegt sich natürlich nicht ständig bewusst auf dieser Ebene der Grundentscheidungen. Ich freue mich, wenn Menschen etwas von und mit Gott erfahren, wenn sie ihn mit ihrem Leben in Verbindung bringen. Ich freue mich, wenn sie sich in der Gemeinschaft der Kirche einbringen und da einfach ihren Glauben leben. Und ich freue mich, wenn ich das Gefühl habe, etwas, ob eine Veranstaltung, ein Impuls, oder ein Gottesdienst, eine Predigt, ein Gespräch, eine Begegnung, was auch immer, hat einem Menschen jetzt in dem Augenblick wirklich etwas gegeben und er kann etwas für sich und seinen Glauben mitnehmen und vielleicht wirkt das auch noch nach.

Hindernisse zu was, wäre meine Rückfrage … Hindernisse so allgemein … ja ok, also ich sehe schon welche.

Wenn ich von der unaufhaltbaren Entwicklung hinsichtlich kirchlicher Präsenz in der Fläche her denke, dann würde ich sagen, müssen wir aktiver zusammenfassen und zentralisieren, Gottesdienste und anderes. Man kann noch so sehr sagen, dass die Vernetzung und Präsenz vor Ort wichtig ist, das ist unbestritten, aber was nicht leistbar ist, ist nicht leistbar. Allerdings, ich finde, es kommt darauf an, um was es genau geht und man muss dabei auch schauen, was man an Kirchorten lassen kann, andererseits sollte man an nichts kleben und mutig sein. Pfarreien sind unterschiedlich weit, aber letztlich hat jede Pfarrei, wie sie aktuell existiert, diesbezüglich noch einen nicht leichten Prozess vor sich, denke ich. Bei der Caritas würde ich wegen der sozialräumlichen Vernetzung möglichst nicht aus der Fläche gehen, solange es anders geht. Aber das sind jetzt nur grobe Gedanken mit vielen offenen Fragen im Hintergrund. Ein Hindernis sehe ich darin, dass das vielerorts nicht schnell genug angegangen wird, man immer noch so vor sich hin wurstelt, es sich aber in nicht allzu langer Zeit von alleine erledigen wird. Ich denke, es ist besser, eine Veränderung jetzt zu lenken und zu gestalten, als abzuwarten, sie zu ertragen und dann Krisenmanagement zu betreiben. Vielleicht bringt jetzt die Corona-Krise ein wenig Schwung herein. Ich sehe auch ein Hindernis darin, wenn Akteure sich in einem unterschiedlichen Stadium der Anerkenntnis von Veränderungsnotwendigkeit und Veränderungsbereitschaft befinden. Das kostet Geduld und Einsatz und macht es nicht leicht, mal anzufangen.

Eines scheint ja absehbar festzustehen, die Kirche in 30 Jahren in Deutschland wird klein sein. Ich will mich hier nicht in Spekulationen begeben, was das genau bedeutet und zur Folge haben wird. Aber es wäre wünschenswert, dass sich dann stärker als jetzt, da wir uns infolge der Missbrauchs-Krise und gerade erst wieder ernüchtert von Austrittszahlen teilweise sehr mit uns selbst beschäftigen, der Fokus wieder gewendet haben wird auf die Geschichte Gottes mit den Menschen und auch nach außen deutlich wahrnehmbar ist: die Kirche hat auf existenziell wie auf gesellschaftlich relevante Fragen Relevantes zu sagen, auch wenn das gesellschaftliche Gewicht der Kirche wenigstens den Mitgliederzahlen nach viel kleiner sein wird, als heute.

Ich kann aber sinnvoller vielleicht was zu uns, den Pfarreien, sagen. Ich hoffe, dass wir dann schöne, auch räumlich gut ausgestattete geistliche Zentren haben, wahrscheinlich da, wo dann die Pfarrkirchen sind, und dass dort das katholische Komplettprogramm, so nenne ich es einmal, angeboten wird. Was für ein Angebot das genau sein wird, wie unsere Sakramentenvorbereitung für Taufe, Firmung, Erstkommunion und so weiter und unsere Pastoral insgesamt genau aussehen wird, kann ich jetzt auch nicht sagen. Das wird sich entwickeln. Wie weit auseinander werden die liegen, welche Strecken muss man fahren? Das wird sich zeigen. Es müssen jedenfalls schon Zentren sein denke ich, weil dort mehr Menschen zusammenkommen, als jetzt an unseren Kirchorten, und das dann auch attraktiv ist. Und die Qualität, seien es Gottesdienste, Musik, seien es Freizeitaktivitäten, muss gut sein. Alle Hauptamtlichen haben hier ein Büro, um die Kräfte und unterschiedlichen Fähigkeiten zu bündeln und die Priester leben hier vielleicht als geistliche Gemeinschaft in einem Haus. In eine Kirche oder zu einer Veranstaltung, wo nichts los ist, geht auch keiner hin, das hat keinerlei Anziehungskraft, wie wir ja jetzt schon beobachten können. Das Gemeinschaftsgefühl der Kerngemeinde wird dann ein noch wichtigerer Faktor sein als jetzt, aber mit großer Offenheit und Willkommensgeist für Neue und Neugierige. Ich meine kein Revival der Pfarrei im Stil der 70er im Kleinen mittels Zusammenlegung, das gibt funktioniert nichtmehr und die Überreste davon sterben gerade ab. Die heute jungen Erwachsenen, die katholisch sind, tendieren meiner Wahrnehmung nach verstärkt entweder ins liturgisch Klassische oder in die charismatisch angehauchte Richtung, wie man gut an Phänomenen wie dem Gebetshaus Augsburg beobachten kann. Beides kann sich aber gut ergänzen. Die Pfarrei oder die Zentren, mir fällt jetzt auch kein besserer Begriff ein, sollten eine integrierende Mitte sein. Um es beispielhaft an der Liturgie zu verdeutlichen: ideal wäre, wenn das Spektrum von der Choralmesse und normalem feierlichen Hochamt über den Familiengottesdienst bis zum Lobpreis reichen könnte. Es braucht aber in der Pastoral auf jeden Fall Schwerpunkte und klare Zielgruppen, eine Art Profil, sonst ist es zu diffus und spricht keinen richtig an. Ja…so in etwa könnte ich mir das vorstellen, aber entschuldige, ich merke gerade, ich habe nicht ganz auf die Frage geantwortet, denn das wäre eher meine Vorstellung für in knapp zehn Jahren, also bis zum Jahr 2030, nicht in 30 Jahren! Ohje, in 30 Jahren, das ist 2050!

Ja. Wenn bis 2050 nicht eine große Rechristianisierung Deutschlands begonnen hat, dann ist die Kirche wie gesagt klein. Vielleicht haben wir wieder offizielle Missionsgebiete. Vielleicht haben wir nicht mehr so viele Körperschaften des öffentlichen Rechts. Keine Ahnung, das wird sich schon zeigen. Ich wünsche mir, dass es dem ähnlich ist, was ich eben mehr für 2030 gesagt habe und auf keinen Fall schlechter. Aber die Frage ist mir eigentlich zu spekulativ. Hauptsache, die Kirche erfüllt auch 2050 ihre Aufgabe, unter welchen Bedingungen auch immer.

Die Fragen stellte Pastoralreferent Manuel Gall