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Neu in der Pfarrei: Verwaltungsleiter Jürgen Hinxlage

Interview
Neu in der Pfarrei: Verwaltungsleiter Jürgen Hinxlage
Neu in der Pfarrei: Verwaltungsleiter Jürgen Hinxlage

Jürgen Hinxlage

Mein Name ist Jürgen Hinxlage, ich bin (noch) 47 Jahre alt und seit dem 01. August 2020 bei Ihnen aktiv in meiner neuen Rolle als Verwaltungsleiter der Pfarrgemeinde St. Peter und Paul. Wohnhaft bin ich in Frankfurt und hier auch ehrenamtlich aktiv in meiner Heimatgemeinde, d. h. das Leben und Gestalten in einer Kirchengemeinde ist mir recht vertraut. Das ist es übrigens bereits seit meiner Kindheit, denn gebürtig stamme ich aus einer katholischen Kirchengemeinde in Nordwest-Niedersachen. Nach vielen Jahren bei verschiedenen Arbeitgebern im Bankenumfeld habe ich mich nun entschlossen, meinem Berufsweg eine neue Wendung zu geben, und ich freue mich darauf, dass in Ihrem Umfeld zu tun. Also – ich schaue gespannt den vielen neuen Kontakten und Arbeitsmöglichkeiten bei Ihnen entgegen und hoffe auf zahlreiche Gespräche! Mehr von mir demnächst persönlich… 

An meinem Wohnort in Frankfurt bin ich bereits ehrenamtlich als Verwaltungsrat aktiv und habe die Erfahrung gemacht, dass es in den heutigen Großpfarreien neuen Typs sehr empfehlenswert ist, in der Leitung einer Pfarrei eine Aufgabenteilung zwischen Pastoral und Verwaltung vorzunehmen, damit der Pfarrer und seine pastoralen Mitarbeiter sich wieder verstärkt auf den eigentlichen Inhalt ihrer Berufung konzentrieren können. Ich selbst interessiere mich seit jeher für organisatorische und prozessuale Fragestellungen und habe in meinem bisherigen Berufsleben dahingehend umfangreiche Erfahrungen sammeln können, so dass mich diese Position grundsätzlich sehr interessiert. Hinzu kommt, dass Wiesbaden und insbesondere der Westen für mich bisher ziemliches Neuland sind; d.h. ich habe die Möglichkeit eine mir unbekannte Ecke aus einer ungewöhnlichen Sicht kennen zu lernen – gerade für einen 'Zugereisten' eine sehr spannende Aussicht!

Auf die Begegnung mit vielen mir bisher unbekannten Menschen und den Herausforderungen, mit denen ich mich in diesem neuen Umfeld beschäftigen darf.

Der Alltag bietet als solcher natürlich schon mehr als genug Möglichkeiten, gegenüber allen Mitmenschen den Glauben praktisch zu leben, und selbstverständlich versuche ich, wie alle Christen immer wieder neu. Darüber hinaus bin ich aber weiterhin in meiner Heimatgemeinde in Frankfurt aktiv und nehme dort aktiv am Gemeindeleben teil. Und nun habe ich natürlich auch die einmalige Möglichkeit, mein Bekenntnis auch im Berufsalltag noch deutlich stärker in die Praxis umzusetzen, als das in der Vergangenheit möglich war.

Wie sicherlich für viele Christen gilt auch für mich, dass ich aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen eine Vergangenheitsgeprägte Vorstellung von Leben und Gemeinschaft in Kirchengemeinden habe. Die vergangenen Jahre haben aber gezeigt, dass es immer schwieriger wird, diese Realität der Vergangenheit beizubehalten. Dies gilt meines Erachtens sowohl in der Pastoral und den Gruppenaktivitäten als auch in finanziellen Fragen, denn in der heutigen Zeit haben der christliche Glauben und das Bekenntnis ihre Selbstverständlichkeit in vielen Bevölkerungskreise verloren. Ich denke, dass es die größte Herausforderung für uns Christen in der heutigen Zeit ist, neue Formen des Glaubens sowohl in inhaltlicher als auch in sozialer Hinsicht zu finden, durch die wir unsere Mitmenschen von unserem Bekenntnis überzeugen und sie zu Teilhabe und Mitmachen begeistern können. Ein „Weiter so“ wird es jedenfalls nicht geben können ...

Ich könnte mir vorstellen, dass Kirche in 30 Jahren mit unserem heutigen Verständnis nicht mehr besonders viel gemeinsam hat: 

  1.     Zum einen werden sich wesentlich mehr Laien in der pastoralen Arbeit engagieren und dabei ihren Glauben aktiv leben und in die Gesellschaft tragen; ich kann mir übrigens nicht vorstellen, dass in diesem Kontext das Geschlecht noch eine Rolle spielt. Gleichwohl gehe davon aus, dass die Anzahl der aktiven Christen und Gemeindemitglieder weiter zurück gehen wird, dieser quantitative Rückgang aber durch Begeisterung und Engagement für Glaubensinhalte qualitative mehr als aufgewogen werden wird! 
  2.     Zum anderen glaube ich, dass es viel weniger Organisation und Verwaltung geben wird, da sich die Gemeinden viel stärker auf ihre gemeinsame inhaltliche Arbeit ausrichten werden. Eine Aufgabe, wie ich sie heute wahrnehme, wird es dann sicherlich nicht mehr geben.

Insgesamt: Wir werden uns von vielen eingeschliffenen Gewohnheiten verabschieden, aber der Mensch wird deutlich in den Mittelpunkt rücken - eine ermutigende Vorstellung, wie ich finde ... :-) 

Die Fragen stellte Pastoralreferent Manuel Gall