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Oh Heiland, reiß die Himmel auf…

Ökumenischer Kirchenchor
Oh Heiland, reiß die Himmel auf…
Oh Heiland, reiß die Himmel auf…
© bidaya - stock.adobe.com

Im Advent gibt es eine Inflation von Aufführungen von Weihnachtsoratorien. Die großen Kantoreien trumpfen hier mit den Werken von Bach oder Händel auf. Unser ökumenischer Kirchenchor ist – verglichen mit den Kantoreien – ein kleiner, aber feiner Chor, der ehrgeizig versucht, seine stimmlichen – und finanziellen – Möglichkeiten voll auszuschöpfen. Im Jahr 2018 begeisterte er mit dem Weihnachtsoratorium von Herzogenberg, einem wunderschönen, aber schweren Werk, das auch ein großes Begleitorchester verlangte. Diesen hohen finanziellen Aufwand kann der Chor nicht jedes Jahr aus Spenden aufbringen. Also war man für 2019 auf der Suche nach einem Werk, das vom Aufwand her geringere Anforderungen stellt, gleichwohl aber der Weihnachtszeit entsprechende Stimmung verbreitet.

Heinrich Fidelis Müller

Fündig wurde Frau Rath, die Chorleiterin, bei dem Fuldaer Komponisten Heinrich Fidelis Müller. Dieser 1837 in Fulda geborene Komponist musste während seiner Zeit am Priesterseminar in Fulda den Niedergang der ehemals prächtigen barocken Dom-Musik miterleben. Geschmacksänderungen und vor allem fehlende Finanzmittel waren ursächlich dafür. Dies prägte Müller künftig als Komponist. Es war ihm ein Anliegen, verständliche, praktikable Werke mit lebendigem, handlungsreichen Inhalt zu schaffen. Diese konnten von kleinen und mittelgroßen Chören auch ohne große Finanzausstattung aufgeführt werden.

1871 besuchte Müller die Oberammergauer Passionsspiele und war hellauf begeistert. Er beschloss, ein „kleines Weihnachtsspiel“ zu komponieren, in dem das Weihnachtsgeschehen, in sechs Szenen gegliedert, in Form von Rezitativen (nach Worten der Heiligen Schrift), Soli, Chören und Instrumentalsätzen nacherzählt respektive ausgedeutet wird. Besonderen Wert legte der Komponist auf die „alten, kräftigen und hertzinigen Kirchen- und geistlichen Lieder“.

Müllers Musik ist von volkstümlich-gemütvollem Charakter. Dieser führte in Verbindung mit den bewusst einfach gehaltenen Aufführungsmöglichkeiten (kleines Orchester oder Orgel ) zu einer enormen Verbreitung des Werkes im ganzen deutschsprachigen Raum. In den 1930iger Jahren in Vergessenheit geraten erfreut sich das Werk heute wieder einer großen Popularität.

Der Komponist verstarb 1905 als Domkapitular in Fulda.

Aufführung

8. Dezember 2019, 2. Adventssonntag 17 Uhr

Gemeindezentrum St. Klara, Graf-von-Galen-Str. 3

Der Eintritt ist frei, der Chor freut sich aber über eine angemessene Spende.

Text: Wolfgang Rollig