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Sonntagsmatinee über Synodalen Weg

Wohin führt uns der Synodale Weg?
Sonntagsmatinee über Synodalen Weg
Sonntagsmatinee über Synodalen Weg
© yourschantz / cc0 – gemeinfrei / Quelle: pixabay.com

Zur 7. Sonntagsmatinee am 3. November 2019 stand ein eher sperriges Thema auf der Agenda: der „Synodale Weg“. Gemeinsam mit Stefan Herok, der sich dem Thema als Theologe und Kirchenkabarettist fundiert und humorvoll näherte, gewannen die Teilnehmer der Matinee einen ersten Eindruck von den Hintergründen und Chancen des Projekts, das Bischöfe und Laien über die aktuellen Probleme und Fragen in der katholischen Kirche miteinander ins Gespräch bringen soll.

„Der Humor hilft mir, nicht bitter zu werden“

beschrieb Stefan Herok seine Arbeit als Theologe und Kirchenkabarettist. Mit viel Humor brachte Herok so auch die zahlreichen Besucher der Matinee – zumindest gedanklich – auf den Synodalen Weg: Das griechische Wort „Synodos“ bedeute bereits „gemeinsamer Weg“. „Wenn sich die Bischofe jetzt auf den Synodalen Weg begeben, dann heißt das ‚gemeinsamer Weg – weg‘“, beschrieb Herok scherzhaft.

Kardinal Reinhard Marx hatte den Synodalen Weg im Frühjahr 2019 als strukturierte Debatte beschrieben, die in einem verabredeten Zeitraum stattfindet und zwar gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Kritisch bewertete Herok, dass auf dem Synodalen Weg immer eine doppelte Zweidrittel-Mehrheit benötigt werde, um Entscheidungen zu treffen: nämlich sowohl die Mehrheit des gemeinsamen Gremiums aus Bischöfen und Laien, als auch die Mehrheit der Bischofskonferenz.

Gegenwind aus Rom

Auch aus Rom stürme Kritik auf den Synodalen Weg ein. Jedoch weniger wegen der doppelten Mehrheits-Schranke als wegen der Anmaßung der Deutschen, über Themen zu beraten, die nur auf weltweiter Ebene entschieden werden könnten.

Herok stellte klar:

„Wer sich gegen die Debatte unter Bischöfen und Kirchenvolk ausspricht, ist nicht konservativ, sondern reaktionär.“

Der Konservative prüfe alles und behalte das Gute. Der Reaktionäre wolle alles behalten, ohne zu prüfen.

Vor allem vier große Themen stünden im Mittelpunkt des Synodalen Wegs und sollten einer Prüfung unterzogen werden: Macht, Sexualität, Missbrauch sowie Frau und Amt. Alle vier Themen seien in der katholischen Kirche nicht gänzlich neu. Gerade die Weihe der Frau werde immer wieder diskutiert. „Schon Papst Johannes Paul II. wusste sich gegen dieses Thema nicht mehr anders zu wehren, als es ein für alle Mal für erledigt zu erklären“, verwies Herok auf das Apostolische Schreiben „Ordinatio Sacerdotalis“ vom 22. Mai 1994. Bis heute habe die Papstabsage an das Frauenpriestertum auch unter den deutschen Bischöfen glühende Verfechter wie z.B. Rudolf Voderholzer, Bischof von Regensburg, und den Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki. Doch es gebe auch „kleine Wunder“ unter den Bischöfen, spielte Herok auf den Essener Bischof Franz-Josef Overbeck an, der Anfang des Jahres zu einem anderen umstrittenen Thema Fehler eingeräumt und eine neue Bewertung von Homosexualität eingefordert hatte. 

Was meint der Limburger Bischof Dr. Georg Bätzing?

Die Gäste der Matinee baten Herok um eine Einschätzung zu „unserem“ Bischof, der sich bislang eher zurückhaltend zu all diesen Themen verhalten habe. „Bischof Georg Bätzing und auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf gehören zum reformfreudigen Lager“, sagte Herok und stellte einen Vergleich an: „Papst Franziskus hat das Herz am richtigen Fleck, aber ob er das theologisch und politisch umsetzen kann, darf man sich fragen.“ So ähnlich sei es mit Bischof Bätzing.

„Wovor haben die Bischöfe Angst?“

lautete daraufhin eine Frage aus dem Publikum. „Äußere Ängste sind das nicht“, vermutete Herok. Es sei eine Art „Rollenangst“, wie die Angst eines Vaters, seinen Kindern zu viel zu erlauben – also die Entscheidung zwischen Behütung und Überbehütung.

Ein Zuhörer wollte wissen, bei welchen der vier großen Themen denn überhaupt mit einer Weiterentwicklung zu rechnen sei. Am ehesten könne sich etwas beim Zölibat tun, so Herok. „Da gibt es schon eine Annäherung zwischen der römisch-katholischen und der orthodoxen Kirche, wo die rangniedrigeren Priester verheiratet sein dürfen.“ Weniger hoffnungsfroh zeigte Herok sich in Bezug auf das Frauenpriestertum. „Es wäre eine Bereicherung, wenn Frauen in der katholischen Kirche predigen dürften.“ Aber es gebe andere Möglichkeiten, begabte Laien – und damit Männer und Frauen – in die Predigt einzubinden, auch ohne Weihe: „Der Priester könnte seine geistliche Macht mit den Laien teilen.“ Ein Weg dahin wäre ein intensives Gespräch über das Evangelium, das dem Laien dann die Fähigkeit verleiht, zu predigen, schlug Herok vor. So könnten auch Priester unterstützt werden, die Probleme mit der deutschen Sprache haben und daher nicht richtig verstanden werden, wenn sie selbst predigen. Eine Teilnehmerin sah diesen Vorschlag skeptisch: „Wir müssen damit rechnen, dass es immer Denunzianten gibt, die uns beim Bischof anschwärzen, wenn Laien – und vor allen Dingen Frauen – predigen.“

Einige Forderungen

„Eine angstbesetzte Kirche will ich nicht mehr. Die Kirche soll sich den Zwang abschminken“, forderte daraufhin eine andere Teilnehmerin.

„Im Mai kommt Bischof Bätzing nach Wiesbaden, im Juni besucht er die Pfarrei St. Peter & Paul. Nutzt diese Visitation, um dem Bischof eure Sorgen und Wünsche ins Stammbuch zu schreiben“, riet Herok. Der Bischof wolle keine Hochglanzprojekte, sondern Kirche im Werkstattcharakter sehen. „Schierstein hat mit „Maria 2.0“ und „Christen sagen ihre Meinung“ viel davon. Wuchert mit diesem Pfund!“

Nächster Termin

Am 1. Dezember 2019 widmet „Christen sagen ihre Meinung“ eine Matinee der Bewegung Maria 2.0. Mit uns im Gespräch: Lisa Kötter, Künstlerin und Mit-Initiatorin von Maria 2.0, die in der ersten Dezemberwoche auch ihre Frauenbilder in St. Peter & Paul in Schierstein ausstellen wird.

Kommende Termine und alle Berichte der bisherigen Diskussionsveranstaltungen finden Sie auf: http://www.christen-schierstein.de

Wer selbst etwas vorschlagen oder sich beteiligten möchte, kann sich an die Organisatorinnen wenden unter: meinung@bistumchristen-schiersteinlimburg.de

Text: Christina Kahlen-Pappas