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Sonntagsmatinee zum Thema Missbrauch am 1. September 2019

Missbrauch
Sonntagsmatinee zum Thema Missbrauch am 1. September 2019
Sonntagsmatinee zum Thema Missbrauch am 1. September 2019
© Bistum Limburg

Zur 5. Sonntagsmatinee am 1. September 2019 stand ein „schweres und dunkles“ Thema auf der Tagesordnung, wie Stephan Menne gleich zu Beginn feststellte. Der Leiter der Koordinationsstelle Prävention vor sexualisierter Gewalt und Präventionsbeauftragter des Bistums Limburg gab einen Einblick in die Erkenntnisse des Bistums zum Thema Missbrauch und die Prävention vor sexualisierter Gewalt und stellte sich den Fragen von gut 30 interessierten Veranstaltungsteilnehmern am Kirchort St. Peter und Paul, Schierstein.

„Jeder Missbrauch ist eine Katastrophe und bedeutet unerträgliches Leid für die Opfer. Nichts von dem, was ich sage, soll dieses Leid relativieren“

schickte Menne gleich zu Anfang der Veranstaltung vorweg. Denn, so Menne, jede Relativierung sei ein erneuter Missbrauch an den verletzten Menschen. 

Unter dieser Prämisse wollte Menne auch seine Feststellung verstanden wissen, dass die Kirche in Bezug auf Missbrauch nicht „über dem Wert der Gesellschaft“ liege. Missbrauch sei ein gesellschaftliches Problem. Die Kirche habe darum zuallererst die Aufgabe aufzudecken, was bei ihr passiert sei. Sie müsse aber auch den Blick in andere gesellschaftliche Bereiche lenken: „Missbrauch findet zum Beispiel auch in Schulen und Sportvereinen statt.“

Ebenso werde die alleinige Fokussierung auf die Pfarrer dem Thema nicht gerecht. „Wir haben auch Erzieher, Pastoralreferenten, Küster oder Hausmeister und Ehrenamtliche, die zu Täter geworden sind – und das gilt für Männer wie für Frauen.“ Die Motivation dieser Personen, andere zu missbrauchen, sei dagegen meist gleich: „Diese Menschen handeln überwiegend nicht aus Triebhaftigkeit. Missbrauch ist ein Phänomen fehlgeleiteter Macht.“ Den Tätern fehle durchweg Selbstvertrauen. Ihre „destruktive Machtausübung“ sei oft die Folge „mangelnden Selbstwertgefühls und Selbstvertrauens“. Darum würden sie andere Menschen „klein machen und demütigen“. Der Grund, warum dies über sexualisierte Gewalt geschehe, liege auf der Hand: „Es gibt kaum einen Persönlichkeitsbereich, wo wir stärker verletzt werden können, als in der Intimität, unserem Innersten unserer eigenen Sexualität.“

Auf die Frage einer Teilnehmerin, welche Rolle die Tabuisierung der Sexualität spiele, erklärte Menne, dass diese kein Grund für Missbrauch, wohl aber ein stark begünstigender Faktor sei. „Wir haben nicht gelernt über Sexualität zu reden und auch nicht über Aggressivität. Dabei sind sie die wesentlichen Triebfedern unseres Lebens“, beschrieb Menne. Nicht nur Sexualität, sondern vor allem auch Aggressivität sei ein Tabu-Thema in der Kirche: „Es scheint, als müssten wir uns immer alle gut verstehen. Dabei sind Auseinandersetzung und Streit überhaupt nicht schlecht, wenn sie offen und ehrlich passieren. Sie sind notwendig für Entwicklungen.“

Gerade im Hinblick auf die Sexualität und die Prävention vor sexualisierter Gewalt sei es zudem wichtig, Wissen zu vermitteln. „Wir müssen den Kindern die Worte an die Hand geben, um über das zu sprechen, was ihnen passiert.“ Genau das sei aber etwas, das in „guten katholischen Haushalten“ zumindest in der Vergangenheit nicht passiert ist, bemerkte eine Teilnehmerin. 

Menne bat auch in diesem Zusammenhang darum, die Missbrauchsprävention als gemeinsame Aufgabe vieler Menschen aus der Mitte von Kirche und Gesellschaft zu sehen. „Prävention ist nichts von oben. Wir brauchen Ihre Augen und Ihre Herzen.“ Das Bistum Limburg stelle sich als erste Anlaufstelle zur Verfügung.

„Wenn Sie im Gefühl haben, dass in Ihrem Umfeld etwas nicht stimmt, jemand betroffen sein könnte, dann melden Sie sich bei uns!“

Möglich ist das über die „Hotline Prävention vor sexualisierter Gewalt“. Von dort aus kann auch externe Beratung und Unterstützung vermittelt werden. 

Ein Teilnehmer regte an, diese Möglichkeit der professionellen Beratung und Hilfe frühzeitig in Anspruch zu nehmen und ohne vorher „mit der halben Gemeinde den Fall zerredet zu haben“. Denn schnell könne auch ein falscher Verdacht die Runde machen, der dann einer bestimmten Person noch Jahre später anhänge. 

Menne unterstützte dies: Die Präventionsstelle des Bistums könne selbst oder anonymisiert Hilfe vermitteln und habe Experten an der Hand, die schnell einschätzen können, ob eine Vermutung begründet sei. Jeder solle aufmerksam sein und „lieber einmal zu oft“ die Beratungsstelle kontaktieren.

Eine Teilnehmerin verwies darauf, dass diese Aufmerksamkeit vor allem im direkten Umfeld notwendig sei, denn 80 Prozent aller Taten sexualisierter Gewalt finden in der Familie und im Freundeskreis statt.

Alle Infos zur Beratungsstelle und den Kontaktmöglichkeiten finden Sie unter:
https://praevention.bistumlimburg.de
Hotline: 0151 17542390

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Am 6. Oktober 2019 beschäftigt sich „Christen sagen ihre Meinung“ mit dem Thema Homosexualität. Mit uns im Gespräch: Thomas Pöschl, Vorstandsmitglied des Vereins Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V.

Kommende Termine und alle Berichte der bisherigen Diskussionsveranstaltungen finden Sie auf: http://www.christen-schierstein.de

Wer selbst etwas vorschlagen oder sich beteiligten möchte, kann sich an die Organisatorinnen wenden unter: meinung@bistumchristen-schiersteinlimburg.de

Christina Kahlen-Pappas