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LebensZeichen 34

Wöchentliche Mitteilungen der Pfarrei St. Peter und Paul
LebensZeichen 34
LebensZeichen 34
© St. Peter und Paul Wiesbaden-Schierstein

GitterZeichen

Liebe Leserin, lieber Leser!

Das Wort Kirchort ist seit Jahren zu einem vertrauten Begriff geworden. 

Aber ist ein Kirchort nur eine ehemalige Pfarrei, die nun in einer größeren Einheit integriert ist? Oder ist es nicht auch ein Ort, an dem sich Menschen mit gleichen Interessen und Fragen, Glaubensüberzeugungen oder ähnlichen Lebensschicksalen zusammen finden? Kann in diesem Sinne z. B. auch die Justizvollzugsanstalt (JVA) in der Holzstraße so gedacht werden?

Seit ein paar Monaten ist Gemeindereferent Bernhard Heil als Seelsorger an diesen Ort gesandt. Mich interessiert, wie eine solche Tätigkeit im Gefängnis aussieht und frage meinen Mann, Bernhard Heil , dazu.

Welche Menschen sind in der JVA Holzstraße inhaftiert?

Die Justizvollzugsanstalt ist eines von zwei Jugendgefängnissen in Hessen. In der Holzstraße verbüßen junge
Männer im Alter von 20-24 Jahren Haftstrafen in unterschiedlicher Länge. Es gibt eine Untersuchungs– und eine Strafhaft.

Du warst lange in der Jugendpastoral in der Pfarrei tätig und hast einen guten Draht zu jungen Menschen. Was sind jetzt deine Aufgaben?

Zunächst bin ich dankbar, dass es eine Einarbeitungszeit von zwei Monaten gab, in denen mein Vorgänger Rupert Lotz (er war 2019 bei der 1. Sozialräumlichen Rundfahrt der Pfarrei dabei. Anm. S. Hering) mir vieles zeigte und erklärte. So sind wir auch als  Seelsorger für die 185 Bedienstete ansprechbar. Ebenso bin ich über die enge ökumenische Zusammenarbeit mit meinem evangelischen Kollegen froh. Auch zwei Imame betreuen muslimische Gefangene in speziellen Fragen. In der alltäglichen Arbeit mit den Gefangenen gibt es keine konfessionelle oder religiöse Trennung. Zum einen sind die wöchentlich stattfindenden Gottesdienste für alle Gefangenen offen. Für die seelsorglichen Gespräche allein oder in der Gruppe gibt es ebenfalls keine Einschränkungen. Diese Gespräche machen den essentiellen Teil meiner Arbeit aus.

Über was sprichst du mit den Gefangenen?

Zu allererst ist es mir wichtig, dass die Gespräche in meinem Büro und nicht im Haftraum (Zelle) stattfinden.

Für die jungen Männer ist es eine Abwechslung, ein Ort, an dem sie sich öffnen können und der auch atmosphärisch dazu beträgt, über die sie bewegenden Fragen des Lebens zu sprechen. Das Seelsorgegespräch im Büro erfüllt als Setting die absolute  Vertraulichkeit.

Es findet meist in den späten Nachmittagsstunden und bis 21 Uhr (Einschluss in den Haftraum) statt. Für die Untersuchungshäftlinge, die noch keiner Arbeit nachgehen dürfen, habe ich am Vormittag Zeit.

Was geht dir aus den Gesprächen nach?

Zum einen die große Hoffnung der Gefangenen, durch den Schulabschluss oder die Ausbildung, die sie in der JVA beginnen und bestenfalls auch abschließen können, in der Welt draußen nach ihrer Entlassung wieder ein „normales“ und geregeltes Leben zu führen. Zum anderen von der tiefen Sehnsucht nach den Menschen, die sie vermissen, zu hören. Das kann die Freundin, ein Kind, Eltern oder auch besonders die Großeltern sein. Und das Dritte ist das Vertrauen, dass die jungen Menschen uns Seelsorgern entgegenbringen. Sie wissen, dass sie in den Gesprächen ganz sie selbst sein dürfen, mit all ihren Ängsten und ihrer Verletzlichkeit.

Also ist die Justizvollzugsanstalt in der Holzstraße für dich ein Kirchort?

Sie ist ein Ort kirchlichen Lebens. Überall dort, wo Menschen in dem anderen die Gegenwart Gottes wahrnehmen und entsprechend handeln, konstituiert sich Kirche vor Ort.

Die Erfahrung, dass religiöse Menschen mich trotz meiner Schuld als gewolltes und erwünschtes Ebenbild Gottes annehmen, macht auch die JVA zu einem Kirchort, an dem ich sehr gerne arbeite.

Vielen Dank für das Gespräch. Es wurde im Kirchortbüro St. Hedwig geführt.

Susanne Hering

https://justizvollzug.hessen.de/jva-wiesbaden

SehnsuchtsZeichen

Nach Hause

Bei einer Bahnfahrt saß ich neben einem jungen Mann, der sehr bedrückt wirkte. Nervös rutschte er auf seinem Sitz hin und her. Nach einiger Zeit platze es aus ihm heraus: Dass er ein entlassener Sträfling und jetzt auf der Fahrt nach Hause sei.

Seine Eltern waren damals bei seiner Verurteilung tief getroffen, sie konnten es nicht fassen, ihr eigener Sohn! Im Gefängnis hatten sie ihn nie besucht, nur manchmal einen Weihnachtsgruß geschickt. Trotzdem, trotz allem, hoffte er nun, dass sie ihm verziehen hätten.

Er hatte ihnen geschrieben und sie gebeten, sie mögen ihm ein Zeichen geben, an dem er, wenn der Zug an der kleinen Farm kurz vor der Stadt vorbeiführe, sofort erkennen könne, wie sie zu ihm stünden. Hätten sie ihm verziehen, so sollten sie in den großen Apfelbaum an der Strecke ein gelbes Band anbringen. Wenn sie ihn aber nicht wieder sehen wollten, brauchten sie gar nichts zu tun. Dann werde er weiterfahren, weit weg. 

Als der Zug sich seiner Heimstadt näherte, hielt er es nicht mehr aus, brachte es nicht über sich, aus dem Fenster zu schauen. Ich tauschte den Platz mit ihm und versprach, auf den Apfelbaum zu achten. Und dann sah ich ihn:

Der ganze Baum – über und über mit gelben Bändern behängt. Das ist er, flüsterte ich, alles in Ordnung.

Er sah hinaus, Tränen standen ihm in den Augen.

Aus: Andere Zeiten 2019 - Typisch!
Kleine Geschichten für andere Zeiten

ZeitZeichen

23. Sonntag im Jahreskreis

Melden Sie sich zum Gottesdienstbesuch vorab bis donnerstags 15:00 Uhr an: im Zentralen Pfarrbüro (0611/8904390, st.peterundpaul@bistumwiesbaden.bistumlimburglimburg.de). Sollten Sie leider keinen Platz mehr bekommen, versuchen Sie es bitte an einem weiteren Kirchort.

Vorabendmessen, 4. September 2021:

18:00 Uhr    SSt. Hedwig, Mariä Heimsuchung, Herz Jesu, St. Marien

Sonntagsmessen, 5. September 2021: 

09:30 Uhr    St. Peter und Paul, St. Georg und Katharina, St. Kilian (Familiengottesdienst)
11:00 Uhr    St. Klara
12:00 Uhr    St. Kilian (Hochamt der kroatischen Gemeinde)

Bis zum Erreichen des Sitzplatzes ist eine Mund-Nasen-Maske zu tragen! Bitte halten Sie den vorgeschrieben Abstand ein.

Notfallhandynummer für Versehgänge und Krankensalbung: 0177/4110753

Das Zentrale Pfarrbüro ist aufgrund des Lockdowns für den Publikumsverkehr geschlossen, aber weiterhin besetzt. Bitte melden Sie sich mit Ihrem Anliegen, bzw. zur Terminvereinbarung in persönlichen Fragen telefonisch (0611 / 89 04 39 0) oder per E-Mail: st.peterundpaul@bistumwiesbaden.bistumlimburglimburg.de

Laden Sie sich hier die Lebenszeichen 34/2021 herunter

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